Themen/Didaktik

Kommentiertes Literaturverzeichnis

Das kommentierte Literaturverzeichnis enthält Bücher und CD-ROMs, die für Veranstaltungen im Bereich "Das Gesellschaftliche" (und hoffentlich darüber hinaus) nützlich sind.
Die knappen Kommentare wollen auf den Gebrauchswert für die Bildungsarbeit hinweisen
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Schleicher, Hubert:
Wie man mit Fundamentalisten diskutiert ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversivem Denken,
München 2001, 2. Auflage, 196 Seiten, Verlag C. H. Beck, 9,90 Euro

Attraktiver Titel; ein interessanter Ansatz, inhaltliche Überlegungen und Auseinandersetzungen mit methodischen Aspekten einer strategischen Diskussion zu verbinden; allerdings einige Schwachstellen: unklarer, anfechtbarer Fundamentalismusbegriff (jede Weltanschauung/Ideologie, die von ihren Wurzeln/Fundamenten her argumentiert); unklarer, emphatischer Vernunftbegriff, der all die Diskussion um die Dialektik der Aufklärung und ähnlicher Diskurse negiert.

Kommentar von Bernhard Eder, November 2005, bernhard.eder@kifas.org

Brecht, Bertolt:
Die Dreigroschenoper, nach John Gays "The Beggar's Opera,
Berlin 1968, 109 Seiten, Edition Suhrkamp,
5,50 Euro, ISBN 3-518-10229-x

Als künstlerische Umsetzung der Marx'schen Kritik an einer Reduktion der Menschenrechte auf die Freiheitsrechte ist Brechts Stück unübertroffen. In den Dialogen und besonders in den von Kurt Weill komponierten Gesängen wird die Grundbotschaft prägnant auf den Punkt gebracht. Gerade die Lieder der Dreigroschenoper sind deshalb ein unerschöpflicher Fundus für die Veranschaulichung und Verdeutlichung einer Gesellschaftskritik im Sinne Marx' im Rahmen politischer Jugend- und auch Erwachsenenbildung, gerade im gegenwärtigen Brecht-Jahr.

Kallscheuer, Otto:
Die Wissenschaft vom lieben Gott. Eine Theologie Recht- und Andersgläubige, Agnostiker und Atheisten,
Frankfurt/Main 2006, 488 Seiten, Eichborn-Verlag, 26,90 Euro, ISBN 3-8128-4561-9

Kenntnisreich, polemisch und lakonisch geschriebene Theologie für Nicht-Theologen, die phasenweise brillant, phasenweise holzschnittartig vereinfacht und übersimpel vorführt, was die Situation des Glaubens in der sog. postsäkularen Gesellschaft ausmacht; Kallscheuer zelebriert dazu einen eigenwilligen, philosophischen Dialog mit sich selbst, der gewöhnungsbedürftig, aber stilistisch auch ansprechend ist. Eine Fundgrube für kluge Gedanken zu Kernproblemen moderner und klassischer Theologie, aber auch ein echtes Bildungsbuch, das anregende Zitate und Gedankenskizzen der Theologie und der übrigen Geistesgeschichte zusammenführt in einen großen Bogen. Auch als Steinbruch für Gedanken verwendbar, gut gegliedertes „Programm" im Inhaltsverzeichnis. Wie immer in der Anderen Bibliothek auch einfach ein schönes Buch.

Das Buch greift eine heiß diskutierte These in der aktuellen integrationspolitischen Debatte auf. Mit dem Schlagwort der Parallelgesellschaften wird Migranten der Vorwurf gemacht, sich in Deutschland nicht ausreichend zu integrieren und sich stattdessen in parallelen Lebenswelten von den Deutschen abzuschotten.

Der Bildungsarbeit können die gerafften Überblicke über das Ausländergesetz und über die Ausländerpolitik dienen (auch wenn der Rezensent einige ihrer Thesen nicht teilt.) sowie die anschaulichen Beispiele aus der Lebensrealität von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.

Manemann, Jürgen:
Rettende Erinnerung an die Zukunft. Essay über die christliche Verschärfung,
Mainz 2005, 99 Seiten, Matthias-Grünewald-Verlag, 12,80 Euro, ISBN 3-7867-2547-0

Der Professor für Christliche Weltanschauung in Erfurt, Metz-Schüler und Theologe, übersetzt Carl Schmitts Begriff der „Verschärfung" in diesem Essay christlich als Feindesliebe. Ein radikales, kleines Buch, das sicher zu viel will und noch mehr auslösen kann, wenn der Leser/die Leserin sich auf seinen fast prophetischen Gestus einlässt. Was dürfen wir vom (politisch und existenziell) von der Nachfolge Jesu erwarten? Manemann hilft dem Geneigten, die Herausforderung ernster zu nehmen, als wir es gewöhnlich tun. Für theologisch und philosophisch Interessierte sehr Gewinn bringend, für den Einsatz mit allegemein gebildeten Publikum doch recht schwer.

Ein kritisches Buch über die Religiosität und die problematischen Konsequenzen der Aufklärung für die Religion. Viele klassische Fragen der Religionsphilosophie werden vom Grazer Philosophen angesprochen, im Kern aber steht, wie der Gott aller Menschen noch erlösen kann, ohne restauriert zu werden. Stilistisch sehr zugänglich verfasst; ein Tipp für die, die über Glauben mit Nicht-Gläubigen sprechen wollen und ihren Standpunkt überprüfen möchten. Auch für philosophische Laien zugänglich.

Horster, Detlef:
Das Sokratische Gespräch in Theorie und Praxis, Wiesbaden 1994, 137 Seiten, VS-Verlag,
12,90 Euro, ISBN 3-8100-1152-5

Steffens, Gerd (Hrsg.):
Politische und ökonomische Bildung in Zeiten der Globalisierung
Münster 2007, 319 Seiten, Verlag Westfälisches Dampfboot, 29.90 Euro, ISBN 3-89691-650-5

Bude, Heinz:
Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft
München 2008, 141 Seiten, Carl Hansen Verlag, ISBN 978-3-446-23011-8

Laux, Bernhard:
Exzentrische Sozialethik. Zur Präsenz und Wirksamkeit christlichen Glaubens in der modernen Gesellschaft
Münster 2007, 264 Seiten, Lit-Verlag, 19,90 Euro, ISBN 978-3-8258-9257-9

Der Titel verführt zu falschen Erwartungen und Assoziationen. Das Werk ist jedoch ein solider und origineller, und deshalb lesenswerter Beitrag zum Verhältnis von Christentum und Welt.

Bingül, Birand:
Kein Vaterland, nirgends
München 2008, 240 Seiten, Droemer-Verlang,
16,95 Euro, ISBN 978-3-426-27453-8

Das flüssig und durch konkrete Fallbeispiele anschaulich geschriebene Buch verbindet drei Großthemen, die zunehmende soziale Ausgrenzung, die Aufwertung der Integration und die Frage nach einem neuen deutschen Selbstverständnis.

Selke Stefan:
Fast ganz unten. Wie man in Deutschland durch die Hilfe von Lebensmitteltafeln satt wird
Münster 2008, 231 Seiten, Verlag Westfälisches Dampfboot,
19,90 Euro, ISBN 978-3-89691-754-6

Das Werk bietet eine gründliche Sozialreportage über die Lebensmitteltafeln in Deutschland, einer der größten sozialen Bewegunen seit den 1990er Jahren. Für die politische Bildung ist die dort vertretene These, dass die Tafeln bei all ihrer Hilfepraxis und organisatorischen Herausforderungen kaum dazu kommen, die in ihnen gebündelte Macht des bürgerschaftlichen Engagements politisch zu nutzen, eine Steilvorlage.

Kommentar von Bernhard Eder, Juli 2008, bernhard.eder@kifas.org

Glaser, Stefan/Pfeiffer, Thomas (Hrsg.):
Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenver-achtung mit Unterhaltungswert: Hintergründe - Methoden - Praxis der Prävention,
Schwalbach/Taunus 2007, 238 Seiten, Wochenschauverlag, 24,80 EUR, zum Teil über die Bundeszentrale für politische Bildung bzw. über Landeszentralen für 2,00 EUR beziehbar, ISBN 978-3-89974359-3

Das Buch bietet sich als Einstieg und Überblick zum Thema "Rechtsextremismus" an. Gerade die Vielfalt der "Erlebniswelt Rechtsextremismus" wird gut deutlich. Ferner gibt es Anregungen zur Gestaltung von Seminar- und Vortragseinheiten, unter anderem auf der beigefügten CD-ROM. Insgesamt ist bei der Arbeit zu diesem Thema auf die Aktualität zu achten, zum Beispiel in Bezug auf Internetseiten.

Kommentar von Hanne Kleinemas, November 2009, h.kleinemas@haus-am-maiberg.de

Lösch, Bettina/Thimmel, Andreas (Hrsg.):
Kritische politische Bildung, ein Handbuch, Schwalbach/Taunus 2010, 544 Seiten, Wochenschauverlag, 49,80 EUR, ISBN 987-3-89974550-4

Das Buch enthält zahlreiche, erfreulich kurz und knapp und doch inhaltsreiche Beiträge von AutorInnen, die sich allesamt mehr oder minder im Kontext einer Kritischen Gesellschaftstheorie verorten. Sie befassen sich mit Grundlagenreflexionen, wichtigen sozialwissenschaftlichen Fragestellungen und Begriffen, wie soziale Ungleichkeit, Subjektivität, Partizipation und dem Staat, mit methodischen und didaktischen Aspekten sowie institutionellen Kontexten von politischen Bildung.
Wegen der Pluralität an Zugängen, der Vielfalt an theoretischen Erörterungen und der Prägnanz der Aussagen ein sehr lesenswertes Buch!

Kommentar von Bernhard Eder, Juni 2010
bernhard.eder@kifas.org


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